Fotos: KBV, Kai Hebein
Wenn wir für unsere Frühjahrskonzerte am Ostermontag proben, merkt man alle zwei Jahre einen besonderen Fokus auf mindestens zwei größere Werke. In den Noten zu diesen Stücken tauchen plötzlich zahlreiche zusätzliche Markierungen auf: Crescendi, Sonderzeichen und farbliche Hervorhebungen – vorzugsweise mit Leuchtstift. Begriffe wie „Spannung halten“, „Phrasieren“ oder „in Wellen denken“ schmücken das Notenblatt. Diese Werke sind die Konzertstücke, mit denen wir uns als Trachtenkapelle Wulfenia beim Regionswertungsspiel der Jury stellen.
Heuer fiel die Wahl von unserem geschätzten Wertungsspielmotivator Gerald Waldner auf die Stücke IN THE AIR (Gerald Oswald) und CALEDONIA (Oliver Waespi). Mit diesen beiden Stücken in der Stufe C versuchten wir unser Bestes und es wurde wieder ein sensationeller Erfolg für unseren Musikverein.
Aber von vorne: Da das Wertungsspiel heuer für die Kapelle terminlich recht günstig fiel, nämlich auf den Samstag genau nach unserem Ostermontagskonzert in Hermagor, hatten wir alle noch die Melodien, Klänge und die Emotion im Blut. Wir trafen uns am Samstag um 16:00 Uhr im Probelokal, analysierten die beiden Stücke vom Konzert und versuchten noch einige Stellen zu verbessern und anzuspielen, welche an Intensität und/oder Intonation noch Interpretationsspielraum nach oben hatten. Um 18:30 Uhr sammelten wir uns im Einspielraum im Rathaus Kötschach-Mauthen und fokussierten uns auf die beiden Stücke und die Stimmung in den einzelnen Registern und auch als Gesamtensemble – die Nervosität stieg merklich.
Pünktlich um 19:30 Uhr saßen wir auf der Bühne im Rathaussaal und stellten uns der Fachjury, bestehend aus Josef Feichter (Südtirol), Anton Mauerhofer (Steiermark) und Bernhard Schlögl (Tirol). Mit Energie, Gefühl und Leidenschaft präsentierten wir unsere musikalische Darbietung. Direkt nach dem Vortrag waren alle erleichtert und wir hatten ein mehr oder weniger gutes Gefühl. Besonders herausfordernd war es, in einem neuen Saal zu spielen, da die Akustik und die Sitzordnung – vor allem beim Schlagwerk – die Wahrnehmung des Klangbildes stark beeinflussen.
Ca. eine Stunde nach unserem Beitrag bestand für uns die Möglichkeit des Feedbackgespräches, welches von einigen unserer Musiker in Anspruch genommen wurde. Die Rückmeldungen des Jurors waren sehr positiv und es gab kaum Themen, welche nicht positiv erwähnt wurden. Um trotzdem einige zu nennen, wurden unter anderem Aussagen wie „schöner Orchesterklang“, „schöne Farben gemalt“, „aktive Nebenstimmen“ und „stabiles Musikhaus“ getätigt. Solches Feedback macht nicht nur stolz, sondern zeigt auch, dass Zusammenhalt, Abstimmung zwischen den Musikern und Dirigent sowie ein gemeinsames Auftreten als musikalische Einheit wahrgenommen werden.
Bei der anschließenden Ergebnisverkündung wurden wir mit sensationellen 93,25 Punkten belohnt.
Ein großes Danke geht neben den Musikern, natürlich an unsere Kapellmeister und hierbei vor allem an unseren Gerald Waldner, welcher uns mit Freude zur Musik, Leidenschaft (sein neues Lieblingswort) und wahnsinnigem Fingerspitzengefühl zu so einer Glanzleistung gebracht hat. Einen Musikverein mit so vielen Mitgliedern auf unterschiedlichen Leistungsniveaus so zu vereinen, dass eine Punktezahl über 90 möglich wird, ist eine wahre musikalische und menschliche Meisterleistung – danke, Gerald!
Als Krönung erreichten wir im Blasmusikbezirk Hermagor die höchste Punktezahl aller teilnehmenden Kapellen und wurden landesweit mit dem zweiten Platz in der Stufe C belohnt.
So eine Leistung ist nur möglich, wenn alle Musiker an einem Strang ziehen und gemeinsam versuchen große musikalische Leistungen zu erbringen. Jeder Musiker hat sein/ihr Bestes gegeben. Schon kleine Entscheidungen – wie Welche Peitsche nehme ich? oder Wie teilen wir uns die Atmung ein? – tragen zu einem beeindruckenden Klangerlebnis bei. Am Ende des Tages ist das wieder eine sensationelle Leistung unserer Trachtenkapelle Wulfenia, auf die wir noch viele Jahre stolz sein können.